
Die neue Spülstraße ist da
Die Crowdfunding-Kampagne des Unabhängigen Jugendzentrum Kornstaße war ein absoluter Erfolg. Nach rekordverdächtiger Zeit war die Minimalsumme für die Anschaffung einer neuen Spülstraße erreicht. Und auch das Geld für ein Topfspülbecken, das die Arbeit in der Küche noch mal erheblich erleichtert, war am Ende der Kampagne mit der Crowd gesammelt. Im Interview erzählt Dirk Wittenberg von seinen Erfahrungen mit der Kampagne und was für ihn die wichtigste Lehre war.
Ihr habt euch bei der Finanzierung der Spülstraße für eine Crowdfunding-Kampagne entschieden, warum?
Zunächst einmal hatten wir 2018 die Entscheidung getroffen jedes Jahr mit einem Projekt in unsere Infrastruktur zu investieren. Einen Teil dieser Investition wollten wir über Projektspenden finanzieren. Und da wir bis dahin Spenden nur als monatliche Dauerspenden akquiriert hatten, lag es nahe, auch bei der Methode der Spendengewinnung neues zu wagen. Es sollte mal was anderes sein, als Anträge zu schreiben und damit öffentliche Förderung zu erhalten.
Welche Erfahrungen habt ihr mit der Spendenbereitschaft über diese Methode gemacht?
Wir hatten überhaupt keine Vorstellung davon, ob das klappt. Und wir waren dann überrascht davon, wie gut es ging. Bei den Leuten, die uns kennen war zum einen wichtig, dass sie für ein Projekt spenden und sie fanden es auch spannend, durch die Plattform den Fortschritt des Projektes, bzw. dessen Finanzierung mitzukriegen. Sie hätten uns das Geld natürlich auch direkt geben können, aber für sie war es ein Gimmick. Aber Vorsicht: Sie müssen von dem Projekt erfahren. Ohne eigene Öffentlichkeitsarbeit funktioniert nichts. Mit Öffentlichkeitsarbeit aber passiert was. Egal, ob wir über unsere Kanäle „unsere“ Leute informiert haben, ob wir in der Presse waren oder ob wir auf einer Veranstaltung über das Projekt geredet haben: Jedes mal kamen danach neue Spenden rein. Was einen Teil der Leute genervt hat, insbesondere die, die nicht so Internetaffin sind, ist dieser ganze Prozess der Registrierung etc. Das hat auch Leute abgeschreckt.
War es für euch sinnvoll eine lokale Crowdfunding-Plattform zu nutzen?

Darauf wird natürlich auch angestoßen
Das Internet und damit tendenziell auch das Crowdfunding ist ja eher ein anonymes Ding. Um so wichtiger war halt, das viele Leute zu dem konkreten Projekt einen Bezug hatten und auch eine lokale Plattform vermittelt eher einen Bezug. Darüber hinaus gibt einem eine lokale Plattform die Möglichkeit, direkt mit den Macher_innen der Plattform zu sprechen. Das ist bei den Fragen die man so hat, nicht zu unterschätzen.
Würdet ihr diesen Weg noch einmal gehen?
Eindeutig ja, zumindest wenn das Projekt stimmt. Ich mache das mal an zwei Beispielen fest: Wir planen demnächst unseren zweiten Hof umzubauen. Wenn es uns gelingt dazu eine Idee zu entwickeln und eine Geschichte zu erzählen, die für viele Menschen sinnlich anziehend ist, dann macht das Sinn. Wir planen außerdem eine Lärmschutzwand zu bauen. Ein wichtiges Projekt, zumindest für unsere Nachbarn und damit auch für uns. Aber ich glaube, dass es schwierig ist, dazu eine Geschichte zu erzählen, die für viele anziehend ist. Das ist eher was für Anträge.

Die Einweihung der Spülstraße wird gemeinsam gefeiert
Was war euer größter Lerneffekt?
Die wichtigste Erfahrung war, das Öffentlichkeitsarbeit funktioniert. Wir wussten zwar, dass man sie braucht, aber dass es klappt, haben wir nicht gewusst. Und ehrlich, hätten wir es gewusst, dann hätten wir auch noch viel mehr gemacht. Naja und dass in einer Zeitung ein Artikel zu unserem Projekt kam, als schon alles gelaufen war, war dann einmal etwas lustig. Es hat aber auch dazu geführt, dass sich jemand aus der Nachbarschaft gemeldet hat, um uns einen Direktkredit anzubieten.
Welche Tipps habt ihr an die Menschen, die auch eine Crowdfunding-Kampagne planen?
Puh, von der Wichtigkeit der Öffentlichkeitsarbeit hatten wir schon gesprochen. Und das man dafür eine möglichst gute Story hat. Ein Tipp ist, schon möglichst viel vorbereitet zu haben, bevor man startet. Beim nächsten mal werden wir zum Beispiel schon vorher klar haben, welche unserer Netzwerke wir mobilisieren wollen und damit nicht erst beginnen, wenn die Crowdfunding-Kampagne schon läuft. Und vielleicht noch grundsätzlicher: entwickelt und pflegt eure Netzwerke. Ihr könnt sie (nicht nur) bei einer Crowdfunding-Kampagne nutzen.